Was AI Consulting wirklich leistet, vom Use Case bis zum laufenden System

Fadel Dia-Eddine· Co-Founder & Product Lead5 Min. gelesen

Die folgenreichste Veränderung bei KI am Arbeitsplatz ist zugleich die unauffälligste. KI verschwindet als separates Werkzeug und wird zur Funktion der Systeme, die ohnehin benutzt werden. Niemand möchte jeden Morgen eine zweite Anwendung öffnen, fünf Dokumente hochladen und einen Prompt schreiben. Die brauchbare Variante steckt im CRM, im Serviceportal, im Dokumentenmanagement oder in einer internen Anwendung, dort, wo die Arbeit stattfindet.

Das ist der Unterschied zwischen gelegentlicher KI-Nutzung und einer AI Implementation, und darin besteht heute der grösste Teil von AI Consulting.

Beim Prozess anfangen, nicht beim Modell

Die falsche Einstiegsfrage lautet, welche KI eingesetzt werden soll. Die bessere lautet, welches Problem gelöst wird und ob es dafür überhaupt KI braucht. Der Unterschied klingt klein verändert aber meist das ganze Projekt.

Die relevanten Ansatzpunkte sind unspektakulär. Wie viele Stunden verbringt Ihr Team mit wiederkehrenden E-Mails? Wie oft werden Informationen von einem System ins andere abgetippt? Wie lange dauert es, ein Dokument zu finden? Wie viele Support-Anfragen liessen sich vorab kategorisieren oder entwerfen? Welche Berichte werden Woche für Woche aus denselben Daten neu gebaut?

Schweizer KMU sind genau dort konzentriert. 2025 nutzten 34 Prozent KI zur Automatisierung einzelner Arbeitsschritte und 32 Prozent zur Datenanalyse, beides deutlich mehr als im Vorjahr. Übersetzung, Korrespondenz und Prozessautomatisierung führen die Liste an. Das sind alltägliche Aufgaben, und gerade deshalb verbringt man so viel Zeit damit.

Eine Zehn-Minuten-Aufgabe ist keine kleine Aufgabe

Zehn Minuten wirken irrelevant. Multipliziert mit mehreren Personen, mehreren Vorgängen pro Tag und zwölf Monaten wird daraus ein relevanter Posten im Betriebsbudget. Die besten Automatisierungskandidaten sind meist langweilig und häufig statt beeindruckend und selten.

Use Cases bewerten, bevor Technologie gewählt wird

Die richtigen Prioritäten sind entscheidend. Vier Fragen genügen meist, um Prozesse richtig ein zu ordnen.

FrageWas Sie prüfenWarum sie das Ergebnis bestimmt
Wie häufig tritt es auf?Menge pro Tag oder WocheDer Nutzen kommt aus der Häufigkeit, nicht aus der Neuheit
Wie hoch ist der manuelle Aufwand?Bearbeitungszeit und NacharbeitSetzt die Obergrenze dessen, was sich einsparen lässt
Wie verfügbar sind die Daten?Quellen, Qualität, BerechtigungenSchwache Daten begrenzen die Qualität unabhängig vom Modell
Wie gross ist der geschäftliche Effekt?Kosten, Tempo, Risiko oder UmsatzEntscheidet, ob Integration und Betrieb sich rechnen
Bewerten Sie jeden Prozess und beginnen Sie mit der höchsten Summe, nicht mit der interessantesten Idee.

Ein Prozess, der hundertmal täglich gemacht wird und überwiegend aus standardisierter Informationsverarbeitung besteht, ist der bessere Kandidat für Automatisierung, als ein Komplexer, der zweimal im Monat gemacht wird. Der erste Schritt lautet deshalb nicht „wir bauen einen Chatbot“. Er lautet, sich Übersicht verschaffen, wo heute Zeit, Wissen oder Daten verloren gehen.

Warum die Integration der schwierige Teil ist

Ein Assistent ohne Zugang zu Unternehmensinformationen kann nur allgemeine Antworten geben. Eine Automatisierung ohne CRM-Anbindung erzeugt zusätzliche Handarbeit. Ein Analysemodell ohne verlässliche Datenpipeline liefert irgendwann veraltete Ergebnisse. Hier hören AI Consulting, Softwareentwicklung, Cloud-Arbeit und DevOps auf, getrennte Disziplinen zu sein.

Neuere Werkzeuge haben den Verbindungsteil handhabbarer gemacht. Das Model Context Protocol ist ein offener Standard, um KI-Anwendungen unter definierten Berechtigungen mit Datenquellen, Werkzeugen und Workflows zu verbinden. Es bildet die technische Grundlage für Assistenten und Agents, die mehr tun als antworten und dabei innerhalb klarer Grenzen in Ihren Systemen arbeiten.

Was zwischen einem Modell und einem funktionierenden System liegt
Produktives AI-System
Modell
Cloud, privat oder selbst gehostet
Retrieval
Ihre Dokumente und Datensätze
Integrationen
CRM, ERP, APIs, Dokumentenablagen
Zugriffskontrolle
Identität, Rollen und Rechte
Orchestrierung
Mehrstufige Abläufe und Freigaben
Monitoring
Qualität, Kosten und Vorfälle

Das Modell ist eine von sechs Komponenten. Der grösste Teil des Aufwands und des Risikos liegt in den übrigen fünf.

Die Datenqualität verdient hier besondere Aufmerksamkeit. In der EY-Erhebung 2026 waren unzureichende Datenqualität und Datensilos mit 20 Prozent das am häufigsten genannte Hindernis bei der KI-Integration, knapp vor Sicherheits- und Datenschutzbedenken mit 19 Prozent. Bevor über Modelle gesprochen wird, lohnt sich meist ein Gespräch über APIs, Datenqualität und Zugriffsrechte.

Zwischen Cloud und On-premise AI entscheiden

Nicht jedes Unternehmen braucht ein eigenes Sprachmodell, und nicht jeder Use Case ist mit einem Cloud basierten KI-Dienst konform umsetzbar. Die brauchbaren Optionen liegen meist dazwischen: ein Standard-SaaS-Produkt für allgemeine Aufgaben, ein abgesichertes Retrieval-System für Unternehmenswissen, eine private Cloud-Architektur für sensible Informationen oder selbst gehostete Modelle für streng kontrollierte Umgebungen.

Die Entscheidung sollte nach benannten Kriterien statt nach Vorliebe gemacht werden: Geschäftswert, Datenklassifikation, Ergebnisqualität, Integrationsaufwand, Betriebskosten, Latenz, Skalierbarkeit, Anbieterabhängigkeit, Security und regulatorische Anforderungen. Das Schweizer Bild deutet darauf hin, dass Unternehmen sich bereits über diese Bandbreite verteilen. In der EY-Erhebung 2026 nutzten 35 Prozent Enterprise-Lizenzen spezialisierter KI-Anwendungen, während rund ein Drittel eigene Lösungen auf Basis mehrerer Modelle gebaut hatte.

Die Regeln zählen so viel wie die Software

Ein technisch hervorragendes System scheitert trotzdem, wenn die Menschen, die damit arbeiten sollen, es nicht verstehen oder ihm nicht trauen. Die Schweizer Praxis zeigt die Lücke deutlich: Obwohl die KI-Nutzung stark stieg, hatten nur 34 Prozent der befragten KMU klare Regeln dazu, welche Daten Mitarbeitende in KI-Tools eingeben dürfen. Bei Betrieben mit weniger als zehn Mitarbeitenden waren es 23 Prozent.

Mitarbeitende müssen wissen, wofür ein System gedacht ist, welche Daten verwendet werden dürfen, wann Ergebnisse geprüft werden müssen und wer verantwortlich ist, wenn etwas schiefgeht. Interne Regeln müssen zugleich einfach genug bleiben, dass die Technologie überhaupt genutzt wird. Das Ziel ist kein Unternehmen voller Machine-Learning-Engineers. Es ist ein Unternehmen, in dem KI so selbstverständlich und verantwortungsvoll eingesetzt wird wie jedes andere digitale Werkzeug.

Regulatorisch wird das zunehmend erwartet. In der EU gelten Pflichten zur AI Literacy seit Februar 2025. In der Schweiz erfasst das Datenschutzgesetz bereits KI-gestützte Bearbeitungen von Personendaten, und eine Vernehmlassungsvorlage zur KI-Regulierung wird bis Ende 2026 erwartet.

Der Launch ist der Beginn der Messung

Bei klassischer Software ist der Go-live ein Meilenstein. Bei KI eröffnet er eine Lernphase. Wie nutzen die Leute das System tatsächlich? Wo funktioniert es gut? Welche Eingaben führen zu falschen oder unvollständigen Ergebnissen? Werden Berechtigungen korrekt angewendet? Steigen Modell- oder Infrastrukturkosten? Haben sich die angebundenen Systeme darunter verändert?

Produktive KI braucht Monitoring, Logging, Tests und regelmässige Evaluierung aus demselben Grund, aus dem sie eine Datenpipeline braucht. Qualität driftet leise, und ohne Messung merkt es zuerst ein Kunde. Eine KI-Strategie, die als PDF endet, endet zu früh.

Erfolgreiche KI muss nicht gross beginnen. Sie muss am richtigen Problem beginnen.

Vielleicht brauchen Sie keinen Agent. Vielleicht brauchen Sie keinen eigenen LLM-Cluster. Vielleicht brauchen Sie einen gut gewählten Prozess, bei dem KI mehrere Stunden pro Woche spart, sauber genug gebaut, dass er in einem halben Jahr noch läuft.

AIConsultingIntegration

Fragen, beantwortet

Sie lohnt sich, wenn Sie KI produktiv einsetzen möchten, aber noch unklar ist, welche Use Cases wirtschaftlich sinnvoll sind oder wie sie umgesetzt werden sollen. Gute Beratung verhindert, dass Budget in isolierte Pilotprojekte fliesst, die sich später nicht in Prozesse oder Systeme integrieren lassen. Am wertvollsten ist sie, wenn mehrere Fragen gleichzeitig zu klären sind: Datenverfügbarkeit, Prozessgestaltung, Modellauswahl, Datenschutz, Cloud-Architektur, Integration und Betrieb.

KI Beratung hilft einem Unternehmen, lohnende Anwendungen von KI zu erkennen, zu bewerten, umzusetzen und zu betreiben. Ein Projekt beginnt meist mit der Analyse von Geschäftszielen, Prozessen, Daten und bestehenden IT-Systemen. Anschliessend werden Use Cases priorisiert und Technologien evaluiert, oft gefolgt von einem Proof of Concept, bevor die gewählte Lösung umgesetzt und in Software, Cloud-Infrastruktur und Arbeitsabläufe integriert wird.

Data Science deckt einen wichtigen Teil ab: Analyse, Modellierung und Evaluierung. Ein vollständiges AI-Projekt umfasst zusätzlich Geschäftsanforderungen, Datenarchitektur, Softwareentwicklung, Integration, Deployment, Monitoring, Governance und die Einführung in den Arbeitsalltag. Das Modell ist eine Komponente unter mehreren und selten die, an der der Projekterfolg hängt.

Ein eng gefasster Proof of Concept sollte seine zentrale Frage in Wochen beantworten, denn sein Zweck ist es, Unsicherheit zu verringern, nicht vollständig zu sein. Einen ersten Ausschnitt produktiv und messbar zu machen dauert länger und hängt weit mehr an Datenzugang, Berechtigungen und Integration als am Modell.

Das Model Context Protocol ist ein offener Standard, um KI-Anwendungen mit Datenquellen, Werkzeugen und Workflows zu verbinden. Relevant ist es, weil Assistenten und Agents dadurch auf definierte, rechtebewusste Weise mit bestehenden Geschäftssystemen arbeiten können, statt auf das beschränkt zu bleiben, was in ein Chatfenster kopiert wird.

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