KI-Prozessautomatisierung: Welche Geschäftsprozesse sich lohnen

Fadel Dia-Eddine· Co-Founder & Product Lead5 Min. Lesezeit

Für KI-Prozessautomatisierung eignen sich häufige Aufgaben mit überprüfbaren Ergebnissen und beherrschbaren Fehlerfolgen. Ob sich ein Geschäftsprozess automatisieren lässt, hängt deshalb auch von Datenqualität, Prüfaufwand und Integration ab. Ein Modell kann eine Aufgabe technisch bewältigen, ohne dass sich sein Einsatz wirtschaftlich lohnt.

Dieser Artikel zeigt, wie Sie geeignete Aufgaben auswählen, den Return on Investment (ROI) berechnen und die Grenzen der Automatisierung festlegen.

Was Studien zur KI-Prozessautomatisierung zeigen

Studien zeigen Produktivitätsgewinne bei bestimmten, klar abgegrenzten Aufgaben. Die Ergebnisse gelten jeweils für die untersuchte Tätigkeit, die eingesetzten Werkzeuge und die Teilnehmenden.

14 %
Produktivität im Kundenservice
National Bureau of Economic Research, KI-Assistent
35 %
Zuwachs bei weniger erfahrenen Mitarbeitenden
Dieselbe Studie: KI überträgt implizites Wissen
55 %
Schneller bei einer abgegrenzten Programmieraufgabe
Randomisierte Studie von GitHub
40 %
Schneller beim professionellen Schreiben
Noy und Zhang

Die Werte lassen sich deshalb nicht als pauschale Einsparung in eine Planung übernehmen. Für den eigenen Prozess müssen Datenaufbereitung, Schnittstellen, Geschäftsregeln, Qualitätskontrolle und menschliche Ausnahmebearbeitung mitgerechnet werden. Ein Pilot sollte diese Arbeit bereits enthalten.

Die Grenzen für jede Aufgabe einzeln prüfen

In einem Experiment mit 758 Beratenden der Boston Consulting Group erledigten KI-Nutzende geeignete Aufgaben rund 25 Prozent schneller; die Qualität wurde rund 40 Prozent höher bewertet. Bei einer Aufgabe ausserhalb der Leistungsgrenze des Modells lag die Wahrscheinlichkeit einer richtigen Antwort mit KI dagegen 19 Prozentpunkte niedriger.

Die Modellqualität muss an den Aufgaben geprüft werden, die später tatsächlich automatisiert werden sollen.

Für die Projektplanung müssen deshalb auch seltene und schwierige Fälle geprüft werden. Eine durchschnittliche Trefferquote sagt wenig darüber aus, ob das System etwa eine ungewöhnliche Rechnung oder einen widersprüchlichen Vertrag korrekt bearbeitet. Solche Fälle können den grössten Schaden verursachen.

Automatisieren, unterstützen oder beim Menschen belassen

Hilfreich ist die Einteilung in drei Betriebsformen. Bei überprüfbaren, begrenzten Aufgaben kann das System selbst handeln. Wo Fachurteil nötig ist, bereitet es die Entscheidung vor. Bei besonders folgenreichen Entscheidungen verbleibt die Verantwortung bei einer qualifizierten Person.

Automatisieren

Fehler sind günstig oder umkehrbar, Ergebnisse objektiv prüfbar, Eingaben stabil, und Ausnahmen lassen sich automatisch erkennen.

  • Rechnungen auslesen und abgleichen
  • Tickets klassifizieren und weiterleiten
  • Bedarfsprognosen
  • Optische Fehlerprüfung
  • Interne Wissenssuche mit Quellenangabe

Unterstützen

KI beschleunigt Analyse oder Entwurf, aber eine sachkundige Person trifft weiterhin die Entscheidung und steht dafür ein.

  • Vertragsprüfung und Klauselextraktion
  • Administrative Vorbereitung im Recruiting
  • Priorisierung von Leads
  • Analyse, Recherche und erste Entwürfe
  • Vorbereitung klinischer und juristischer Bewertungen

Beim Menschen lassen

Die Entscheidung hat erhebliche Folgen für Menschen, Sicherheit oder den Zugang zu wichtigen Leistungen und erfordert qualifiziertes Fachurteil.

  • Einstellung, Kündigung, Beförderung, Vergütung
  • Kreditablehnung und Anspruchsprüfung
  • Diagnose und Behandlung
  • Sicherheitsrelevante Abschaltung
  • Freigabe hoher oder ungewöhnlicher Zahlungen

Geeignete Geschäftsprozesse für Automatisierung erkennen

Ein geeigneter Ablauf lässt sich in prüfbare Schritte zerlegen: Eingaben entgegennehmen, Felder auslesen oder Inhalte klassifizieren, Ergebnisse anhand von Geschäftsregeln prüfen, eine begrenzte Aktion ausführen und Ausnahmen weitergeben. Alle Schritte werden protokolliert. Bei widersprüchlichen Zielen, Verhandlung oder schwer rückgängig zu machenden Folgen spricht mehr für eine unterstützende Anwendung.

Vor der Umsetzung bewerten wir Wirtschaftlichkeit nach Prüfaufwand, Häufigkeit, Volumen, Komplexität, Schwankung der Eingaben, regulatorische Anforderungen, nötiges Fachurteil, Erklärbarkeit, Datenlage und Fehlerkosten. Ein hoher Nutzwert gleicht ein nicht beherrschbares Sicherheitsrisiko nicht aus. Ein ausführliches Bewertungsmodell finden Sie im Beitrag zu KI-Anwendungsfällen im Unternehmen.

Welche Ergebnisse sich je Prozess messen lassen

Tabelle seitlich scrollen, um alle Spalten zu sehen.

ProzessModusMessgrösse für das PilotprojektWoran es scheitert
KundenserviceStufe 0 und 1 automatisierenBearbeitungszeit, Lösungsquote, EskalationenErfundene Richtlinien, fehlende Eskalation
KreditorenbuchhaltungMit Kontrollen automatisierenZeit pro Rechnung, Korrekturen, DurchlaufzeitBetrug, Doppelzahlungen, Freigaberechte
RecruitingNur unterstützenVerwaltungsaufwand und Fehler in erfassten AngabenDiskriminierung, keine belegte Trefferverbesserung
VertragsprüfungUnterstützenVollständigkeit und Richtigkeit extrahierter KlauselnErfundene Fundstellen, Vertraulichkeit
Software und AnalyseUnterstützenZeit bis zur geprüften Änderung, Fehler und NacharbeitErfundene Belege, Fehler jenseits der Modellgrenze
PrognoseAutomatisierenPrognosefehler gegenüber dem bisherigen VerfahrenRegimewechsel, schlechte Stammdaten
Geeignete Messgrössen für das eigene Pilotprojekt. Ziele und Abnahmeschwellen werden anhand des heutigen Prozesses festgelegt.

Den ROI nach Prüfaufwand und Fehlerkosten berechnen

Die Amortisationsdauer hängt vom Umfang der nötigen Vorarbeiten ab. Ein einzelner Ablauf auf vorhandenen, zugänglichen Daten lässt sich anders kalkulieren als ein Vorhaben mit neuer Datenplattform und organisatorischen Änderungen. Für die eigene Entscheidung zählen Investition, laufende Kosten und ein im Pilotprojekt belegter Nutzen.

Berücksichtigen Sie auch den erwarteten Fehlerschaden. Bei einer angenommenen Wahrscheinlichkeit von 0,1 Prozent und einem Schaden von 20 Millionen ergibt sich rechnerisch ein Erwartungswert von 20.000. Diese Rechnung allein zeigt aber nicht, ob das Unternehmen den seltenen Schaden tragen könnte. Prüfen Sie deshalb sowohl den durchschnittlichen Verlust als auch die Tragbarkeit schwerer Einzelfälle.

  • Arbeitsaufwand: 60 Prozent automatisierte Tickets bedeuten nicht 60 Prozent weniger Arbeit, wenn die verbleibenden Fälle besonders aufwendig sind
  • Zurechnung: Datenbereinigung, CRM-Änderungen, Schulung und Prozessumbau können ebenfalls zum gemessenen Nutzen beitragen
  • Prüfaufwand: Kontrolle, Korrekturen und Ausnahmebearbeitung bleiben Arbeitszeit und gehören in die Kostenrechnung

Was wirksame menschliche Kontrolle voraussetzt

Eine menschliche Freigabe hilft nur, wenn die Person einen Fehler erkennen und korrigieren kann. Wer unter Zeitdruck nur einen plausibel formulierten Vorschlag sieht, kann ihn ungeprüft übernehmen. Die Gestaltung des Prüfablaufs gehört deshalb zur Implementierung.

Ein Freigabeknopf ist keine Aufsicht

Prüfende brauchen Zugang zu den Belegen, ausreichend Zeit und die Befugnis, einen Vorschlag abzulehnen. Bei anspruchsvollen Entscheidungen kann es sinnvoll sein, zuerst eine eigene Einschätzung festzuhalten. Testen Sie mit fehlerhaften Beispielen, ob die Kontrolle im vorgesehenen Ablauf funktioniert.

Einen ersten Prozess für das Pilotprojekt auswählen

Für ein erstes Pilotprojekt eignen sich häufige, überschaubare Aufgaben wie Dokumentenextraktion, Ticketklassifikation, Abgleich oder die Vorbereitung von Entwürfen. Daran lassen sich Qualitätsmessung, Ausnahmebearbeitung und Betriebsüberwachung aufbauen, die auch spätere Anwendungen benötigen.

Die zulässige Fehlerrate richtet sich nach den Folgen. Ein falscher Entwurf, der vor dem Versand geprüft wird, verlangt andere Kontrollen als eine Zahlung. Legen Sie deshalb je Fehlerart fest, wann automatisch weitergearbeitet, wann geprüft und wann gestoppt wird.

Unsere Forward Deployed Engineers prüfen diese Voraussetzungen gemeinsam mit dem Fachbereich. Daraus entsteht eine begründete Auswahl für KI-Prozessautomatisierung, klassische Software oder eine Änderung des bestehenden Ablaufs.

KIProzessautomatisierung

Häufige Fragen

Prüfen Sie Häufigkeit, Volumen, Datenlage, Integrationsaufwand und Fehlerfolgen. Der Nutzen muss nach menschlicher Prüfung, Überwachung und Betrieb positiv bleiben. Ein Pilot zeigt, ob diese Annahmen tragen. Bei folgenreichen Entscheidungen sind Fachverantwortung und regulatorische Anforderungen gesondert zu prüfen.

Eine allgemeine Frist lässt sich nicht seriös nennen. Teilen Sie die Anfangsinvestition durch den erwarteten monatlichen Nettonutzen und prüfen Sie mehrere Szenarien. Zum Nettonutzen zählen nur tatsächlich nutzbare Einsparungen oder Mehrerträge nach Prüfaufwand, Betrieb, Wartung und Fehlerkosten. Die Annahmen sollten aus dem eigenen Pilotprojekt stammen.

Für sich genommen nicht. Prüfende müssen die Quellen sehen, die fachliche Eignung besitzen und Zeit sowie Befugnis zum Eingreifen haben. Testen Sie, ob sie falsche Vorschläge unter realistischen Arbeitsbedingungen tatsächlich erkennen. Ein Freigabeknopf allein belegt keine wirksame Kontrolle.

Bei Entscheidungen über Gesundheit, Beschäftigung, Kredite oder Sicherheit empfehlen wir qualifizierte menschliche Verantwortung und eine gesonderte rechtliche Prüfung. KI kann Recherche, Dokumentenaufbereitung oder Analyse unterstützen. Welche Automatisierung zulässig und vertretbar ist, hängt vom Anwendungsfall, seinen Folgen und den geltenden Vorgaben ab.

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